Jan Huyton

Studienberatung bei Widening-Access

Dies ist eine Mitschrift von der Tagung der SRHE im Dezember 2008:

Jan Huyton führte ihre Zuhörer durch einen sehr engagierten Vortrag, in dem sie die Unterstützungsleistung seitens der Hochschule führ "widening-access Studierende" problematisierte. Die widening-access Strategie zielt auf eine höhere Partizipationsquote von Studierenden mit unterschiedlichen Hintergründen, d.h. benachteiligenden familiären Hintergründen oder nicht-akademischen Bildungshintergründen. Huyton geht über die Frage hinaus, wie sich der Bedarf der widening-access Studierende (WA-Studierende) gestaltet und zeigt auf, dass die Institution ebenso Anpassungsleistungen zeigen muss.

Ihren Untersuchungen zufolge werden WA-Studierende von Mitstudierenden und Dozenten als WA-Studierende gelabelt, die Institution diskriminiere sie, weil WA-Studierenden mehr Betreuungsaufwand verursachen. Das Kollegium nehme den Mehraufwand, den Dozenten mit WA-Studierenden haben, nicht wahr, denn Beratung sei eine Vier-Augen Situation und finde daher im Verborgenen statt. Einige Institutionen würden Dozenten, die WA-Studierende betreuen, eine Zusatzvergütung zahlen. Sie weißt auf das grundsätzliche Problem hin, dass Dozenten nicht für Beratung ausgebildet sein und ihnen keine Supervision offen stehe.

An Huytons Untersuchungen, in denen die emotionale Bewertung von Betreuungssituationen analysiert wurden, nahen auffällig wenig Männer teil. Huytons Vermutung ist, dass Männer an emotionalen Fragen weniger Interesse hätten. Die Teilnahme war freiwillig.

Huyton möchte noch die Frage klären, ob WA-Studierende Hemmungen hätten, in Beratungsstunden zu gehen und hingegen andere Studierende mit besserem Bildungshintergrund, die Beratungsstunden mit einer Selbstverständlichkeit wahrnehmen (in UK wird Mentoring an besseren Schulen bereits ausgiebig praktiziert). Ihr ist also noch nicht klar, wodurch der steigende Beratungsaufwand verursacht wird.

Wie auf der gesamten Tagung so kam auch in dieser Diskussion wieder das Thema auf den Verlust von Kollektivität: Für Gruppenberatungen haben UK-Unis oft gar nicht die Raumgrößen, es fehlten "collective spaces", da das Uni-Management Campus-Cafés in private Trägerschaft gegeben hätten, in denen Lernsituationen nicht mehr zustande kämen. Die Studienberatung habe durch E-Mails einen starke Individualisierung erfahren. Mitarbeiterräume seien in vielen Unis geschlossen worden. (In einer anderen Diskussionsrunde sagte eine Professorin, die an einer privaten Uni arbeite, dass die Hochschule den Professoren gar keine Büros mehr stelle.)

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