Wissen was wirkt

Campus-Tour

28. Juni 2009: Dieses Wochenende hatte die Böll-Stiftung zur Abschlussveranstaltung ihrer Campus-Tour nach Berlin geladen. Von Freitagabend an habe ich an einem sehr interessanten Programm mit "drei Headlinern" teilgenommen: Rudolf Stichweh, Margit Osterloh und Peer Pasternack.

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Mit Dresdner Kollegin

Das Eröffnungspodium hatte am Freitagabend auch schon gleich zwei der drei, wie man bei Konzerten sagen würde, „Haupt-Acts“ zu bieten: Rudolf Stichweh und Margit Osterloh.

Stichweh skizzierte aus soziologischer Perspektive einen Überblick über die Entwicklungen im deutschen Hochschulsystem. Dabei verwies er einige Male auf die Probleme des amerikanischen Hochschulsystems, die insbesondere auf die dort im Hochschulsystem bereits wirkenden Folgen der Finanzmarktkrise zurück zu führen sind. Für das deutsche Hochschulsystem, das ja aus öffentlicher Hand finanziert sei, kämen die Folgen erst später. Denn die Milliarden, die die Banken verbrannt hätten, würden langfristig woanders fehlen. Und das werde für die Hochschulen Konsequenzen haben.

Osterloh zeigte anschließend an verschiedenen Beispielen auf, wie sich das deutsche Hochschulsystem durch eingeführte Wettbewerbsprogramme verändert habe. Die Bewertung durch Osterloh ist deshalb besonders bemerkenswert, weil Osterloh Ökonomin ist, als Mitglied des deutschen Wissenschaftsrates über viel Insider-Kenntnisse verfügt und zudem als Schweizerin (Zürich) nicht persönlich von diesem Wettbewerbsdruck betroffen ist. Folglich kann man ihren Aussagen eine höhere Objektivität unterstellen.

Überraschend war jedoch, dass gerade sie als Ökonomin kein gutes Haar an den Quasi-Markt-Instrumenten des deutschen Hochschulsystems ließ. Sie hielt einen vernichtenden Vortrag, wie man ihn eigentlich nur von erzürnten deutschen Soziologen erwarten könnte, denen man dann jedoch unterbewusst unterstellte, sie wollen nur ihre ruhige Ecke verteidigen.

Am Samstagvormittag stand mit Pasternacks Impulsreferat das dritte High-light auf dem Programm. Er gab einen Überblick über die verschiedenen Leitbilder, die den deutschen Hochschulrefomdiskurs in den letzten 30 Jahren dominierten. Pasternacks inhaltlich dichter Vortrag basierte auf klaren Analysen, die nichts beschönigten. Diese zumeist rauen Tatsachen trägt er jedoch in sehr elegant geschliffenen Sätzen vor, wodurch er vermutlich diese leicht unterschwellige Polemik erzeugt, die ich immer in seinen Vorträgen vernehme.

Am Nachmittag habe ich den Workshop „Wissenschaft als Beruf“ besucht. Anke Burkhardt stellte zunächst den Bundesbericht zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchs (BuWiN) vor, aus dem man nur den Schluss ziehen kann, als junger Wissenschaftler besser ins Ausland zu gehen. Diesen Eindruck konnte auch Frau Prof. Dr. von Steinsdorff nicht ausgleichen, indem sie von den paradiesischen Zuständen erzählte, die durch die Exzellenzinitiative für die Doktoranden an der BGSS herrschen. Eher stellt sich die Frage, warum es erst eine Exzellenzinitiative braucht, um das zu realisieren, was in der deutschen Öffentlichkeit seit Jahren von allen Seiten gefordert wird. Die Antwort kann nur lauten, dass diese optimalen Rahmenbedingungen der BGSS die Ausnahme bleiben werden. Denn kein Bundesland wird das nötige Geld in die Hand nehmen. Auch die BGSS braucht einen Erfolg bei der nächsten Runde der Exzellenzinitiative, um dieses Niveau weiter anbieten zu können.

Nach der Abschlussdiskussion im Plenum, wo die Ergebnisse aus den verschiedenen Workshops zusammengetragen wurden, blieb noch Zeit für Diskussionen zwischen den Teilnehmern, Referenten und Mitarbeitern der Böll-Stiftung.

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Dr. Veit Larmann
info (bei) veit-larmann.de

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