Abend in Hannover

Transformative Wissenschaft

Die Veranstaltung der Stiftung Leben & Umwelt und der "Runde für Nachhaltigkeit" (NaWis) am 13. Nov. 2012 hatte sich einen wirklich schwierigen Titel gegeben: Transformative Wissenschaft.

Vielleicht ging man davon aus, dass jedem der Anwesenden klar ist, was damit gemeint ist und hat deshalb darauf verzichtet diesen Begriff anfangs im Sinne eines gemeinsamen Ausgangsverständnisses zu definieren. Vielleicht hat man aber auch darauf verzichtet, weil der Begriff eben zu schwer zu definieren ist. Wie auch immer. Es war jedenfalls ein unterhaltsames Abendprogramm, welches das mit mehren Uni-Präsidenten, Vize-Präsidenten und Ex-Präsidenten besetzte Podium bot. Ach ja, klar: Ein BUND-Vertreter und ein Student, sowie die Grüne Landtagsabgeordnete, in deren Kompetenzbereich diese wolkige transformative Wissenschaft gehört, saßen ebenfalls auf dem Podium.

Obwohl Uwe Schneidewind eigentlich ein hervorragender Moderator ist, kam in der Debatte nicht Vieles voran und es wurden Begriffe wie Wissenstransfer, transdiziplinäre, interdisziplinäre sowie angewandte Forschung munter durcheinander gewürfelt und jeder hatte dazu etwas zu erzählen. Schließlich verhakte sich die Gruppe in einer Strukturbedatte: Wie wird die niedersächsische Hochschullandschaft wohl nach der Landtagswahl umgestaltet werden? Auch das war interessant, aber eigentlich nicht Thema der Veranstaltung. Mir war das recht auch egal – den meisten anderen vermutlich auch. Durch eine Wortmeldung vom Osnabrücker FH- bzw. neuerdings: HS-Präsidenten Bertram wurde die Runde schließlich wieder zum Transformativen zurückgeführt. Bertram meinte, dass der Wissenstransfer in die Gesellschaft schwach sei und in Förderausschreibungen nicht vorkomme – wohl in Firmen, aber eben nicht in die Gesellschaft. Und damit war der entscheidende Aspekt endlich genannt. Transformative Wissenschaft will die Gesellschaft verändern bzw. man müsste eigentlich andersherum formulieren: Wissenschaftliche Erfindungen (die Glühbirne etc.), die die Gesellschaft verändert haben, können im Nachhinein als transformativ betitelt werden. Gabriele Heinen-Kljajic knüpfte an dieser Stelle eine Geschichte an, wonach sie als niedersächsische Politikerin gelegentlich mit den VW-Vorständlern zu tun hätte und sie bei denen schon den Eindruck gewonnen habe, dass sie als Ingenieure für die technischen Möglichkeiten, die mit einer grünen automobilen Zukunft verbunden wären,  Begeisterung entwickelten, sie aber Schwierigkeiten hätten die entsprechenden Märkte zu erschließen.

Damit war leider - oder glücklicherweise - nur angedeutet, wie das Forschungsprogramm einer transformativen Wissenschaft, die sich der großen Zukunftsherausforderungen annimmt, aussehen müsste: Transformative Wissenschaft soll die Gesellschaft verändern! Gut, dass der Abend an dieser Stelle schon sehr weit fortgeschritten war und wir zu Wein und Schnittchen eingeladen wurden, denn diese Diskussion hätte noch sehr hitzig werden können.

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Dr. Veit Larmann
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