Die Gesellschaft für Hochschulforschung

Jahrestagung in Berlin

Am 18. und 19. März 2013 fand wieder die Jahrestagung der Gesellschaft für Hochschulforschung statt. Die Berliner Tagung war straff organisiert, mit ungewöhnlich vielen Keynote-Speaches und parallelen Tracks. Auf der nächsten Seite finden sich einige meiner zusammengefassten Tagungsnotizen.

Der Präsident der Humboldt-Universität Prof. Dr. Olbertz begrüßte die Teilnehmer der Tagung. Lange bleiben konnte er - wie das bislang kaum ein Uni-Präsident konnte - natürlich nicht. Bei Olbertz ist das ganz besonders schade. Ich hoffe, er wird der Hochschulforschung wieder zur Verfügung stehen, wenn seine Zeit als Präsident und Person des politischen Lebens vorbei geht. Aber das wird vermutlich noch etwas dauern.
Olbertz kam auf das Shanghai-Ranking zu sprechen und den Umstand, dass es die deutschen Universitäten strukturell benachteiligen würde, weil in Deutschland bekanntlich ein Großteil der Forschung in die Institute der Forschungsgesellschaften ausgelagert sei. Diese Forschung fehle den deutschen Universitäten in ihrer Forschungsbilanz. Er selbst finde Rankings praktisch, wenn es zu Beginn einer Neuorientierungsphase um eine Standortbestimmung gehe, aber nicht wenn der jährliche Turnus das vorschreibe. Darüber hinaus würde der Legitimitätszwang die Hochschulen zu sehr von der eigentlichen produktiven Arbeit abhalten.

Sir Peter Scott entwickelte seien Vortrag um die drei Begriffe Expansion, Differenzierung und Modernisierung. Für mich kamen darin jedoch nicht sehr viele Neuigkeiten vor. Interessant fand ich seinen Hinweis, dass die Top-Universitäten in Großbritannien sieben Mal so viele Gelder pro Mitarbeiter erhalten, wie die Universitäten am unteren Ende der Hierarchie.

Dr. Hölscher stellte einen Teil seiner Habil-Schrift vor, in der er die Differenzierung von Hochschulsystemen anhand der Spielarten des Kapitalismus untersucht. Mit dem Einleitungssatz, wonach die Spitze des britischen Finanzsektors zu 70 Prozent aus Historikern gebildet werde, die ihren Abschluss in Cambridge oder Oxford gemacht hätten, weckte er entsprechendes Interesse und konnte zeigen, worum es ihm geht: Zwischen dem Hochschulsystem und anderen Teilsystemen eines Staates bestehen Komplementaritäten. Dass in Großbritannien so viele Historiker an der Börse arbeiten könnten und bei uns in Deutschland wahrscheinlich nicht, hänge damit zusammen, dass in liberalen Marktwirtschaften generelle Kompetenzen wichtig sein und in koordinierten Marktwirtschaften spezialisierte Kompetenzen. Hochschulsysteme ließen sich folglich anhand des Kriteriums liberale vs. koordinierte Marktwirtschaft unterscheiden - gleichwohl es auch zahlreiche Mischsysteme gebe. Hölscher zeigt also, dass Übertragungen als Reformen von einem in ein anderes System die kontextuellen Besonderheiten beachten müssten. In liberalen Marktwirtschaften seien die wohlfahrtsstaatlichen Absicherungen geringer, mit generellen Kompetenzen könnten die Arbeitnehmer leichter als in koordinierten Marktwirtschaften von einem in ein anderes Berufsfeld wechseln.

Ganz besonders gelungen fand ich den Vortrag von Heinz-Elmar Tenorth, einem Bildungshistoriker. Sein Vortrag zeigte mir zum wiederholten Male, wie viel wir doch durch die Geschichtswissenschaft lernen können. Tenorths Vortrag entzauberte den Humboldt-Mythos mit zahlreichen illustrativen Details. Schade, dass die gerade von ihm abgeschlossene 6-bändige Geschichte der Humboldt-Universität für mein Bücherregal zu groß sein dürfte. Es wäre zu wünschen, dass auch zukünftige GfHf-Tagungen den Bildungshistorikern eine prominente Bühne bieten.

Im letzten Tagungsblock sprach sich Jürgen Enders mit seinem Vortrag für ein akademisches Abrüsten aus. Er zeigte, dass Rankings eine Sozialkonstruktion vornehmen und das neue Feld der "Weltklasseuniversitäten" etablieren würden. Die Art und Weise, wie diese Konstruktion vonstatten gehe, werde unter Akteuren in einer Arena ausgefochten. Das Shanghai-Ranking kapriziere sich allein auf Forschung, das Times-Ranking hingegen werte vor allen Dingen Aspekte positiv, die für ausländische Gebühren zahlende Studierende wichtig seien. Diese Kriterienauswahl geschehe nicht ohne Grund: Wer die Regeln definiert, definiert auch die Gewinner.

Enders zeigt, dass "die Hochschule" als Klasse konstruiert werde, wodurch eine Vergleichbarkeit postuliert werde. Der Vergleichsgegenstand werde dadurch dekontextualisiert. Qualität werde quantifiziert und was nicht quantifiziert werden könne, käme nicht mehr vor. Selbst jene, die diese Rankings aufstellen würden sei bewusst, dass die Unterschiede zwischen einzelnen Universitäten wenig signifikant seien, und dass es praktisch egal sei, ob eine Universität 10 Plätze weiter oben oder weiter unten sei. Für die öffentliche Wahrnehmung sei es aber sehr wohl relevant, ob man 10 Plätze weiter oben oder unten stehe.

Die Universitäten, die positiv gerankt seien, würde den Rankings auf ihren Hochschul-Webseiten dann letztlich Legitimität verleihen, in dem sie auf das Ranking stolz hinweisen. So werde auf kostspielige Weise Normalität erzeugt. Enders bezweifelt, dass dieses Ranking der Menschheit viel mehr bringt, als durch den fortlaufenden Publikationsdruck die Abholzung des Regenwaldes zu beschleunigen.

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Dr. Veit Larmann
info (bei) veit-larmann.de

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