Arnold Windeler (TU Berlin)

Organisationen und Können

Am 3. Juni habe ich einen Vortrag von Arnold Windeler (TU Berlin) an der Universität Bielefeld zu Organisationen und Können besucht. Er befasste sich mit Fragen danach, wie Organisationen das Können prägen und wie sie handlungsfähig werden. Er verweist zum Einstieg in seinen Vortrag auf Giddens, der das Thema angesprochen aber nicht ausformuliert habe. Hier finden sich meine ausformulierten Notizen, die ich mir während des Vortrages gemacht habe.

1. Windeler trifft zunächst einige strukturationstheoretische Annahmen, wonach sich Können aus der handelnden Auseinandersetzung mit der Welt entwickele. Die Regeln sozialer Praktiken geben das Handeln vor und konfrontieren den Akteur mit Erwartungen (was ist anerkannt, was nicht). Aber das Handeln wird auch nicht koppelt durch Regeln bestimmt, bzw. durch diese vorgegeben.

2. Bei Giddens wird Handeln durch soziale Systeme geprägt (und nicht durch Kommunikation, wie bei Luhmann). Durch Nutzung der Regeln werden diese dann reproduziert. Zur Aktualisierung der Regeln werden gesellschaftliche Totalitäten herangezogen. Soziale Akteure aktualisieren das Können in Sozialsystemen. Skripte werden genutzt um als kompetente Akteure zu gelten. Die sozialen Akteure reproduzieren die gesellschaftlichen Totalitäten. Soziale Strukturen erfahren eine fortlaufende Aktualisierung.

3. Was ist nun "Können"? Es ist das Vermögen etwas zu tun, sich adäquat in sozialen Handlungsfeldern zu bewegen und Soziales hervorzubringen. Bei Giddens gibt es keine Autopoesis, sondern Interaktionen/Beziehungen und einen Reproduktionsmechanismus. Es besteht eine hohe Form der Reflexivität - Organisationen sind koordinierende und dabei reflexiv abgestimmt.

Organisationen organisieren sich unter Hinzuziehung von reflexiver Beobachtung, Rationalisierung und Motivation. Es werden selektiv Informationen gesammelt sowie Aktivitäten überwacht. Das Organisieren der Organisation erfordert Können (Verwaltungstechniken).

Menschen nehmen die zu reproduzierenden Regeln auf, wobei es nicht irrelevant ist, welche Menschen diese Regeln aufnehmen. Der individuelle Akteur ist durch die Regeln auch keinesfalls determiniert - so macht es bspw. durchaus etwas aus, wer Professor ist etc.

Das Handeln im Sozialsystem prägt das Können - es ist also praktisches Wissen, das nicht unbedingt expliziert werden kann (Wittgenstein). Organisationsbezogenes Wissen ist praktisches Wissen. So entwickeln externe Zulieferer ein Verständnis vom Können in der Organisation, was sie bspw. im Raum-Zeit-Gefüge der Produktion realisieren kann.

Organisationales Können sei ein Bündel von Kompetenzen, das typisch für die Organisation sein, wobei individuelles und organisationales Können im Zusammenspiel stehen. Organisationen konstituieren kollektive Handlungen, in dem sie Handlungen organisiert aneinander binden. Arbeitszeitlich/spezialisiert/organisiert - greift der individuelle Akteur dies auf, dann ist er erfolgreich. Organisationale Strukturen ermöglichen die Austauschbarkeit von Mitarbeitern. Dauerhafte Strukturen ermöglichen also Handeln, behindern es aber auch (Organisationen widersetzen sich einem organisationalen Wandel)

Was macht nun die reflexive Moderne aus? Das fortlaufend alles Bestehende in Frage gestellt wird und einer permanenten Revision unterzogen wird. Dabei wird selektiv verfahren, sodass es bspw. über die Nicht-Nutzung der zivilen Atomkraft mittelfristig zu einem Wissensverlust der Nutzung und ihrer Organisation kommen wird.

Abschließend betont Windeler noch einmal den Unterschied zwischen Strukturationstheorie, für die die Reflexivität kennzeichnend ist, und der Strukturtheorie, die insbesondere die Bedeutung von Skripten betont.

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Dr. Veit Larmann
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