Promotionskollegsitzung

Loosely Coupled Systems

14. Mai 2009: Bei unserer gestrigen Kollegsitzung haben wir einen Fortschriftsbericht einer Kollegiatin gehört und anschließend Weicks Loosly Coupled Systems diskutiert.

Wir diskutierten den Loosly Coupled Ansatz insbesondere im Vergleich zu Luhmans Systemtheorie. Matiaske merkte an, dass die deutsche Übersetzung von Weick in einem von Luhmann herausgegebenen Buch erschienen sei. Daher können beide Forschungsperspektiven eigentlich nicht in Konflikt zueinander stehen. Zumal würde ihr Sinn für Humor ebenfalls beide Autoren einen. Neben Weick sei auch March ein wichtiger Bezugspunkt für Luhmann.

Zur Rolle des Formalisierten in Bildungsorganisationen
Im Prinzip werde nur das Konflikthafte formalisiert und im Extremfall vor Gericht geklärt. Alles andere werde beim Kaffee geregelt. Systeme müssten so arbeiten, weil sie ansonsten unter der Last des "Dienst nach Vorschrift" zusammenbrechen würden. Lässt man sich von Weicks Überlegungen leiten, sind schulische Lehrpläne also zuallererst dazu da, nach außen hin zu stabilisieren. Denn wenn Eltern nerven und zu große Ansprüche stellen, könne die Schule immer darauf verweisen, dass das "aber so in den Lehrplänen" stehe. Die Schule nutzt die Lehrpläne zum Erhalten ihres Fließgleichgewichts.

Zur Steuerbarkeit von Bildungseinrichtungen
Die formalisierte Organisation bietet Anreiße und die Mitglieder liefern daraufhin Beiträge. Auch jene, die informelle Regelungen preisen, brauchen ein formales Grundgerüst, weil die Mitglieder ansonsten auch keine informelle Ergänzung vornehmen könnten.

Lose gekoppelte Organisation lassen in ihren Strukturen Raum für "Glue", für den Kulturklebstoff, der die Organisation zusammenhält. Heterogene Organisationen sind stabiler, homogene Organisation zerbrechen leicht.

Luhmanns autopoetische Systeme lassen sich nicht von außen Steuern, sich verändern zwar ihr Verhalten, wenn sie weniger Geld bekommen, aber daher folgen sie den Steuerungsversuchen noch längst nicht. Diese Systeme kann man von außen nicht steuern, man kann sie nur zerschlagen.

Weick habe nicht lose gekoppelte Organisationen untersucht, sondern streng gekoppelte, d. h. Feuerwehrmannschaften und Flugzeugträger. Wo da etwas schief geht, wird es richtig schwierig.

Weitere Stimmen zur Steuerbarkeit:
Bei Jürgen Klüver (1998) soll etwas stehen, dass nach dem Sinn lautet: "Wie auch immer man reformiert, die Universität bleibt immer gleich."

Nach Parsons sei die Politik immer aufgefordert, "irgendetwas zu machen". Die Hochschulbeschäftigten machten dabei immer weiter wie bisher.

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Dr. Veit Larmann
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