Kommission für Hochschulmanagemnet

Workshop in Flensburg

Nachdem ich am Donnerstag am Promovierendenkolleg von Wenzel Matiaske teilgenommen hatte, habe ich am Freitag und Samstag (19. und 20. Februar 2010) den Workshop der Wissenschaftlichen Kommission für Hochschulmanagement besucht. Diese Kommission gehört zum Verband der Hochschullehrer der Betriebswirtschaftslehre. Von den 10 Vorträgen hebe ich im Folgenden einige wenige heraus, die mir persönlich besonders gut gefallen haben

Professor Grüner von der Kunsthochschule Berlin legte die Überlegungen seines Fachs dar, den dritten Zyklus der Bologna-Reform umzusetzen, d. h. die Promotionsphase stärker zu strukturieren. Grüner erklärte zunächst, dass es in seinem Fach gar nicht wichtig sei einen Abschluss von einer Hochschule zu haben, viel wichtiger sei es hingegen eine gewisse Zeit studiert zu haben: "Der Abschluss wird nicht unbedingt angestrebt." Wenn, und das ist schon seltsam, für die Studierenden ein Abschluss prinzipiell nicht von großem Interesse ist und davon schon zwei im Angebot sind, warum sollte dann mit der Einführung des dritten Zyklus auch noch eine Promotion als dritter (überflüssiger) Abschluss angeboten werden? Diese Merkwürdigkeit klärte sich dann in der anschließenden Diskussion: Mit der strukturierten Promotionsphase lassen sich neue Töpfe anzapfen. Eine weitere Aussage Grüners, die mir verhaftet geblieben ist, und die ich für bemerkenswert halte, ist die, dass "Kreativität" nicht künstlerisch sei, weil Kreativität zielorientiert sei. Mit dem "Lob" kreativ zu sein könne man nach seiner Aussage keinem Künstler schmeicheln.

Sehr interessant fand ich auch den Vortrag von Mayrhofer und Schneidhofer zu den veränderten universitären Karrierelogiken. Sie betrachten das Auftauchen von neuen Akteuren im universitären Feld. Ein Feld ist ein relationales Konzept, d.h. im Feld stehen alle Akteure zueinander in irgendeiner Relation. Neue Akteure, wie die Rankingagenturen oder Evaluationsagenturen, beeinflussen Karrierewege innerhalb des Hochschul-Feldes. Nach ihrer Meinung könne in diesem Fall nicht allein der Isomorphismus als organisationales Verhalten erklärendes Konzept genügen, sondern es kämen eben neue Akteure hinzu, die in der Mikropolitik mitspielten. In der Diskussion fiel dann der Satz: "Who comes for money goes vor money."

Mein persönlicher Lieblingsvortrag war jener von Würmann und Bloch vom HoF in Wittenberg. Sie stellten erste Ergebnisse einer laufenden Studie vor, die unter dem Titel "Wer lehrt was" firmiert. Dabei geht es um ein im Prinzip simples Unternehmen, das meines Erachtens aber hohe politische Brisanz entwickeln könnten, wenn landauf landab über eine Qualitätsverbesserung der Lehre diskutiert wird: In diesem Projekt wird einfach einmal geschaut, welche Personen an vier ausgewählten Fachhochschulen und vier Universitäten denn wirklich die Lehre geben, d. h. man schaut hier in die Vorlesungsverzeichnisse und prüft, wie groß der Anteil verschiedener Personenkreise in der Lehre ist. Die ersten Auszählungen zeigen, dass der Anteil der Lehrbeauftragten sehr hoch ist. Diese Studie wird also endlich einmal valide Daten zur Situation der Lehre an den deutschen Hochschulen liefern und damit auch das Ausmaß der "Sklavenhaltung an Unis" umreißen.

Und schließlich fand ich den Vortrag von Albrecht Blümel und Georg Krücken noch sehr interessant. Sie berichteten von Veränderungen im Berufsfeld des Hochschulmanagements. Auffällig sei, dass unter den neuen Beschäftigten viele seinen, die im kulturwissenschaftlichen Bereich studiert hätten. Vermutungen wurden dazu geäußert, ob sich diese Studierenden besonders stark in der studentischen Selbstverwaltung engagiert hätten und so irgendwie in diese Beschäftigungsverhältnisse gerutscht sein. Mich hat sehr überrascht, dass es mittlerweile auch wohl viele unbefristete Stellen in diesem Bereich gibt. Allerdings stellte sich in der Diskussion heraus, dass diese Personen keine Aufstiegschancen hätten und Professor Grüner meinte, dass diese Perspektivlosigkeit für deren Motivation in den nächsten 10 Jahren schwierig werden könnte. Krücken und Blümel meinten abschließend, dass es sich nach ihrer Ansicht bei den Veränderungen nicht um die Herausbildung eines mittleren Hochschul-Managements handle, sondern es sich vielmehr eine Techno-Struktur entwickele.

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Dr. Veit Larmann
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