Geschäftspolitik der Westfalen Bahn

Schwarzfahrer

9. April 2008: Ein stolzes Pferdchen prangt an den neuen Zügen. Doch Vorsicht beim Einstieg: Schnell können Sie in einen nervenden Papierkrieg verwickelt werden.

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Piktogramme

Was ist passiert? Ich bin am Sonntag in Osnabrück in einen Zug der Westfalenbahn nach Münster eingestiegen - und zwar ohne Fahrkarte! Das ist etwas, was ich schon oftmals getan habe, bei der Deutschen Bahn ebenso wie bei der Nordwest Bahn. Denn gibt es keinen (funktionierenden) Fahrkartenautomaten, sucht man umgehend den Schaffner und kauft dort seine Fahrkarte. Freundlich, kompetent und umstandslos.

In meinem Zug(-teil) der Westfalenbahn gab es nur einen nicht funktionierenden Fahrkartenautomaten und ich konnte im Zug auch keine FahrgastbetreuerIn finden.

Kurz vor Münster kam die "Schaffnerin", wie sie sich mir später vorstellte, in mein Zugteil. Ich ging sofort auf sie zu und wollte meine Fahrkarte kaufen. Sie war allerdings zunächst noch damit beschäftigt, vier Jugendliche aus dem Zug zu werfen, die ebenfalls eine Fahrkarte kaufen wollten. Die hingehaltenen 50 Euro verweigerte sie, bei ihr könne man keine Fahrkarten kaufen, die Fahrt der vier Jugendlichen war damit vorbei.

Nun kam ich also an die Reihe und wurde nach allen Regeln der Kunst vor den anderen Fahrgästen als Schwarzfahrer gemaßregelt. Wenn sie hier nicht kontrollieren würde, so musste ich erfahren, "würden hier doch alle schwarz fahren". Nein, eine Fahrkarte könne man bei ihr nicht kaufen, das wissen doch alle, "sogar die Kinder wissen das" und schließlich stehe das auch draußen am Zug. Bei ihr ginge das jedenfalls nicht. Doch, ein Portemonnaie habe sie wohl, aber das sei nur für die Strafzettel. Den könne ich auch sofort bezahlen (49,80 Euro).

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Toter Automat

Bin ich verblödet? Hatte ich beim Einstieg etwa das Kleingedruckte am Türfalz nicht entdeckt? Ich denke, dass man, wenn draußen dran ein Piktogramm zu sehen ist, wonach im Zug ein Fahrkartenautomat ist (das Piktogramm entdeckte ich auch erst später) und man auch von außen sieht, dass drinnen ein Fahrkartenautomat hängt, dann kann man so einen Zug durchaus betreten. Und auch ohne den Automaten schon von außen zu entdecken, wäre ich mitgefahren, denn meine Schaffner-Ticket Erfahrungen waren bislang nie schlecht. Bei der neuen schicken Westfalenbahn weht jedoch ein anderer Wind.

Ich erhielt also meinen Überweisungsträger und setzte meine illegale Fahrt fort. In Münster am Bahnsteigt angekommen versuchte die Schaffnerin dann (auf Nachfrage hin) mir zu zeigen, wo draußen groß und deutlich dran steht, dass man mit meinen laxen Auffassungen bei der Westfalenbahn nicht durchkommt. Doch vergebens - auch sie konnte den Hinweis nicht finden. Nun konsultierte sie einen anderen WFB-Mitarbeiter am Bahnsteig, warum am Zug ET018 denn kein Hinweisschild angebracht sei. Die beiden einigten sich darauf, dass das Schild genau an diesem Zug wohl vergessen worden war.

Nun hätte ich eigentlich eine Entschuldigung erwartet, zumindest aber, dass die WFB-Angestellte ihren Strafzettelblock rausholt, meinen Eintrag rausreißt und damit die Sache für beendet erklärt. Aber nein, nichts dergleichen. Schaffnerin "Gnadenlos" bat mich hingegen, dass ich bei meinem schriftlichen Widerspruch erwähne, dass an Wagen ET018 kein Hinweisschild angebracht ist. Das scheint mir also die Feedbackschleife zu sein, auf die die armen WFB-Angestellten angewiesen sind. Sie würden schließlich auch unter dem Chaos der WFB leiden, erfuhr ich abschließend: "Wir tun das ja auch nicht gerne, uns den ganzen Tag mit den Leuten anlegen."

Und wenn Ihnen Gleiches widerfährt beeilen Sie sich: Nach einer Woche Widerspruchsfrist, so droht die WFB, gehe die Sache an ein Inkassounternehmen.

Nachtrag

Gut drei Wochen nach meinem Widerspruch hat mir die Westfalenbahn mitgeteilt, dass Sie auf mein "erhöhtes Beförderungsentgeld" verzichtet, denn die Bundesbahn habe mich ja falsch informiert...

Noch ein Nachtrag

Dezember 2008: Wenn ich nun Monate nach diesem Vorfall diesen Artikel lese, merke ich, dass ich damals doch ganz schön sauer gewesen bin. Nun ja. Kürzlich kam ich übrigens mit einem Mitarbeiter eines Konkurrenzunternehmens der Westfalen Bahn ins Gespräch. Ihm und seinen Kollegen war dieser Artikel bekannt.

Und noch ein Nachtrag

September 2010: Die Statistik dieser Website zeigt an, mit welchen Suchbegriffen Menschen auf meine Website gelangen. Und die Begriffskombination Westfalenbahn & Schwarzfahrer oder Einspruch kommt erstaunlich oft vor. Vielleicht hat ja einer meiner LeidensgenossInnen noch Lust seine eigenen Erfahrungen hier zu posten. Daher habe ich hier ein Kommentarfeld eingefügt. Ich freue mich über jeden Beitrag!

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Dr. Veit Larmann
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